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  • AutorenbildJonas

Der Unold Luigi im Test

Für Personen mit quasi keinem Budget für einen Pizzaofen waren die roten Untertassen wie der Ariete Pizzaofen oder die G3Ferrari Pizzaöfen lange die einzigen Optionen. Da aber diese ultrabillig-Öfen sehr vergleichbare Resultate liefern wie ein korrekt bedienter Haushaltsbackofen mit Pizzastein, ergab sich eine Marktlücke zwischen roten Untertassen und richtigen Pizzaöfen, welche Unold mit dem Pizzaofen Luigi und dem baugleichen, aber komplett schwarzen Don Luigi zu füllen versucht. Ob deine 200 Franken beim Unold Luigi gut investiert sind, erfährst du wie immer im pizzaschaufel.ch Test.


Unboxing


Bei der Verpackung setzt Unold wie Ooni auf einen doppelwandigen Versandkarton und einen farbig bedruckten inneren Produktkarton was wir sehr begrüssen.


Doppelt hält besser dachte sich Unold und auch wir sehen das so.

Entfernt man die Ofenverpackung, kommen die üblichen Verpackungsversprechungen zum Vorschein.


Die bescheidenen Versprechen des Unold Luigis.

Auch die Beschreibung auf der Seite geizt mit Superlativen - sympathisch.


Merkten wir zwar schon beim aus der Packung heben aber das Gewicht des Unold Pizzaofens ist mit 10.6 Kilogramm wirklich sehr tief. Kann das gut gehen?

Der Unold Luigi hat mit 1700 Watt tatsächlich 100 Watt mehr Leistung als der extrem viel teurere Ooni Volt. Ob die Isolation beim Luigi so viel schlechter ist (das tiefere Gewicht des Luigis lässt das vermuten) als beim Ooni Volt (Welcher 450° erreicht) oder ob die aufgedruckte Maximaltemperatur von 400° einfach falsch ist, werden wir im Aufheiztest sehen.


Was uns beim Öffnen der Packung erfreut, ist die passgenaue Kartonpolsterung. Beinahe auf Ooni Level und massiv besser als Italienische Elektroofenhersteller, welche mit Massen von Styropor trotzdem nur eine mittelmässige Polsterung erreichen.


Geschützt nur durch Erstickungswarnungen - der Cordierit Pizzastein.

Der Pizzastein ist erstaunlich wenig gepolstert - trotzdem kam er bei uns tatsächlich ganz an.


Selbst der weniger sensible Ofen ist besser geschützt als der Pizzastein.

Unter dem Ofen fanden wir die Anleitung und das Rezeptbuch. Das Rezeptbuch ist das erste von sehr vielen getesteten Öfen, welches tatsächlich das Rezept für eine Neapolitanische Pizza wiedergibt. Gratulation an Unold an dieser Stelle.


Weder Knäckebrot- noch Zopfrezept, es wäre so einfach. Danke Unold.

Einzig grafisch gesehen sind das Rezeptbuch und die Betriebsanleitung ein absoluter Graus. So kann man zum Beispiel eine Legende der Bedienelemente aufgrund fehlendem Kontrastes einfach nicht lesen. Nach langem testen fanden wir dann heraus, dass die Oberhitze mit dem Touchfeld unten und die Oberhitze mit dem Touchfeld oben bedient wird - an Ituitivität fast nicht zu überbieten.


"Jeder Touchknopf hat eine Nummer, welche musst du halt selbst herausfinden." Harald Unold, 2024

Nach dem Studium der Anleitung und des Rezeptbuches öffneten wir den Ofen und stellten fest, dass die beiden Heizschlangen auf dem Schiff von China zu uns schon ein wenig Flugrost angesetzt hatten, welcher sich aber schnell von Hand entfernen liess. Falls das jemand von Unold lesen sollte; Vielleicht würde es Sinn machen, einen Trockenmittelbeutel im Ofeninneren für den Transport zu platzieren.


Die von unten angesteuerte obere Heizschlange und die von oben angesteuerte untere Heizschlange.

Der Ofen wirkt, abgesehen vom Flugrost und den tiefen Preis im Hinterkopf behaltend, hochwertig verarbeitet mit relativ grossem Edelstahl Anteil.

Henry grüsst Luigi.

Was uns besonders gefällt, ist die eingeprägte Temperaturwarnung. Italienische Hersteller setzen auf weniger ästhetische, gelbe Aufkleber auf dem Blech. Wobei man sagen muss, dass dies bei den Italienischen Herstellern vermutlich gar nicht möglich wäre, da viel dickere Materialstärken verwendet werden als bei Unold.


Weniger alarmierend als ein gelber Kleber dafür ästhetischer.



Aufheiztest


Da Unold zur Aufheizzeit des Unold Luigi gar keine Angaben macht, gehen wir von ungefähr 20 Minuten aus. Hier kommt auch der einzige "Vorteil" der elektronischen Touch Steuerung zur Geltung. Sobald sich Luigi heiss genug fühlt, piepst er.


Wir heizen den Luigi im Neapolitan Pizza Programm ein, (Ober- und Unterhitze auf 400° und irgendein komplett unnötiger voreingestellter 2 Minuten Timer) sprich wir gehen auf maximale Leistung.


Luigi auf dem Weg nach Neapel.

Direkt mit dem Start des Programmes springt der Lüfter an. Dieser scheint noch aus Zeiten zu stammen, in denen es keine wirklich leisen PC-Lüfter gab.


Nach zwanzig Minuten piepst Luigi und gibt folgendes von sich.


Schon jetzt besser als auf der Verpackung angegeben.

Was uns beim Aufheizen neben dem lauten Lüfter störte, war Folgendes:


Sieht nicht nur billig aus, sondern sorgt auch für eine Rauchwolke - die Silikondichtung.

Bei der Dichtung setzt Unold anstelle eines Glasfaserbandes wie bei den namhaften Italienischen Herstellern und Ooni auf eine billig wirkende Silikondichtung. Vermutlich diese Dichtung ist der Grund für die Rauchwolke, welche nach Erreichen einer gewissen Temperatur oberhalb des Ofens auftaucht. Diese Wolke und der Duft verschwanden nicht mal beim zweiten Einheizen, auch wenn sie dann weniger lange anhielt.


Gruss aus der Silikonräucherei.

Nach weiteren ca. 10 Minuten erreichte der Ofen sogar 450°.


Der Unold Luigi hält das Temperaturversprechen definitiv ein.

Spannend ist die Hitzeverteilung, während bei den meisten uns bekannten Pizzaöfen die höchste Temperatur auf dem hinteren Teil der Backfläche gemässen wird und die Temperatur gegen vorne tendenziell tiefer wird, ist beim Unold Luigi die höchste Temperatur in der Mitte zu messen, rundherum ungefähr 30-50° weniger. Dies eventuell aufgrund des Lüfters im hinteren Bereich. Sprich mehr als 450° bringt er wirklich nicht hin, auch nicht im hinteren Bereich, was aber theoretisch für Neapolitanische Pizza knapp reichen sollte. Eben diese Pizza testen wir auch sogleich.


Backtest


Vorbereitet haben wir wie immer einen neapolitanischen Pizzateig gemäss Rezept der AVPN.


Die 260 Grämmigen Teigballen warten auf ihren Einsatz.


Wir verwendeten für dein Teig 1.8 Kilogramm Verace Napulé Mehl je Liter Wasser ergibt in nicht AVPN-Worten eine Hydration von 55.55 % (Gemäss Regularien gelten 55-62% als klassische Neapolitanische Pizza).


Die Pizza ist bereit für den Unold Luigi.

In den Luigi passt unsere 30cm Schaufel für 33cm ist er leider zu schmal.



Die erste Pizza aus dem Unold Luigi sieht folgendermassen aus:


Hat (obwohl mit der Schaufel direkt unter die Heizschlange gehalten) etwas wenig Oberhitze erhalten.


Während der Luigi mit Oberhitze Geizte, war er mit Unterhitze umso grosszügiger sehr vergleichbar wie der Ooni Volt.


Cordierit Stein und eine untere Heizschlange, selten eine gute Kombination für kurz gebackene Neapolitnaische Pizzen.

Nachdem wir also das Standardprogramm "Neaploitan Pizza" getestet haben, versuchen wir es mit unseren eigenen Einstellungen, was gar nicht so einfach ist. Nicht nur sind Unter- und Oberhitze bei den Bedienelementen vertauscht, man kann auch nicht die Temperaturen während des Betriebes verstellen. Das Programm muss also zuerst abgebrochen werden, dann kann mit der oberen Taste die Untere Heizschlange hinuntergeregelt werden und dann muss das Programm wieder gestartet werden, (komplett bescheuert) wir gingen runter auf 200° (unklar, wie das in einem Backraum gehen soll? während wir oben 400° eingestellt haben, heizt die untere Heizschlange dann gar nicht, da die 200° nur schon durch die Obere erreicht werden?).



Nichts geht während ein Programm läuft, einzig mit Abbrechen, Anpassen und Neustart lassen sich parameter verändern.

Wie auch immer mit dem endlich auf 400° Oben und 200° Unten eingestellten Ofen machen wir uns an das vorbereiten der zweiten Pizza.




Auch die zweite Pizza war oben wieder zu wenig gebacken.


1700 Watt sind einfach (zu)wenig, zumindest sicher wenn man sie auf zwei Heizschlangen oben und unten aufteilt.

Dafür war der Boden dieses Mal einiges besser.


Besser.

Eine letzte Chance gab es noch, diesmal eine Marinara (mit unseren vorzüglichen San Marzano Tomaten ein absoluter Geheimtipp).


Marinara wartet auf Oberhitze.

Da sich die Obere Heizschlange zwar separat ansteuern lässt, sie quasi aber immer, wenn dringend benötigt, nicht aktiv ist, dauern die Schaufelsessions ihre Zeit. Aber sowieso lässt sich der Ofen ja während des Backens nicht bedienen (Da Bedienelemente an der offenen Türe und da zuerst das ganze Programm abgebrochen und neu gestartet werden müsste).


Das Resultat:


Die Geduld auf der Schaufel hat sich gelohnt.


Das Unterbodenfoto ging dieses Mal leider vergessen, wir können euch aber versichern, dass der Boden ziemlich ähnlich zu Pizza Nr. 2 war sprich gut, aber nicht perfekt.


Fazit


Der Unold Luigi ist dem rund vier Mal teureren Ooni Volt in seinen negativen wie positiven Aspekten sehr ähnlich. Für plus minus CHF 700 weniger erhält man einen Ofen, der etwas kleiner ist (dafür auch etwas leichter) weitere Abstriche muss man bei der katastrophalen Bedienung, welche jedes Kind verständlicher hätte entwickeln können und bei der Türdichtung, wo billiges Silikon das Glasfaserband ersetzt machen.


Die Pizzen aus dem Volt und dem Luigi sind sich zum Verwechseln ähnlich, beide haben zu wenig Oberhitze und zu viel Unterhitze für Neapolitanische Pizza.


Für Personen, die einen möglichst günstigen Elektro (Outdoor) Ofen für Neapolitanische Pizza suchen, bleibt der Cozze Elektro die bessere Option, da er mehr Leistung hat und diese ausschliesslich von oben zum Einsatz kommt.


Wer etwas mehr Budget, hat findet in den Öfen von Effeuno und Macte die beste Option. Mit ihnen hat man zusätzlich eine richtige Ofentür, einen guten Stein, kann in Innenräumen backen und hat erst noch einen höheren Innenraum, welcher das Arbeiten erleichtert. 


 

Wie alle Tests von pizzaschaufel.ch erfolgte auch dieser Test auf eigene Rechnung, eine Einflussnahme des Herstellers ist daher unmöglich. Es handelt sich um die freie Meinung des Autors.


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